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Sterbebegleitung: Gesa Dröge - Jenseitskontakte: Dr. Ernst Senkowski

HANS-WERNER-ULRICHS


Hans-Werner-Ulrichs
*10. September 1946        †10. Oktober 2008

Stellen Sie sich vor, Sie begleiten ehrenamtlich Schwerkranke und Sterbende.
Sie klopfen an – »Herein« – holen Luft und wollen sagen:
Guten Tag, Herr Sowieso. In dem Moment hören Sie:
»Da bist Du ja.«
»Sie sind doch Herr Ulrichs?«
»Ja.«
»Ich bin Frau Dröge.«
»Wie ist dein Vorname?«
»Gesa.«
»Ich heiße Hans-Werner.«
»Wissen Sie, das ist ja unsere erste Begegnung, vielleicht …«
»Das ist nicht unsere erste Begegnung.«
Ich wollte ihm sagen, dass ich die Menschen, die ich besuche, erst einmal sieze. Ich habe mich dann auf ein »Du« eingelassen, weil er das gerne wollte. Wir kamen weiter ins Gespräch – über seine Krankheit und dass er einen älteren Bruder hat, der ihn regelmäßig besucht.

Sie begegnen jemandem – und die Chemie stimmt. Manche sprechen auch von einer Seelenverwandtschaft, völlig unabhängig vom Geschlecht. Wenn solche Beziehungen gelebt werden dürfen – also wenn sie beidseitig zugelassen werden, entsteht ein Gleichgewicht aus Nähe und Distanz, was sich harmonisch anfühlt. Es geschieht einfach. Die Frage, etwas »falsch« zu machen kommt nicht auf, weil das intuitive Gespür einfach funktioniert.
»Ich bin Maler.«
Hans-Werner Ulrichs bekam Buntstifte, einen großen Zeichen-
block und er malte. Er sagte, dass es ihm dann besser gehe, malen sei wie eine Therapie. Das erste Bild, was entstand, war das
Bild »Engel Gottes«.
Irgendwann fragte er mich, was ich denn so mache.
»Gedichte schreiben.«
Ich erklärte ihm, dass ich auf diese Weise die Geschehnisse der Hospizarbeit verarbeite.
»Ich hab auch schon ein Gedicht für dich geschrieben.«
Er bat darum, dass ich es ihm vorlese. Nachdem ich ihm sein Gedicht (Für Ephraem I) vorgelesen hatte, sagte Hans-Werner Ulrichs:
»Schreib mehr Gedichte – schreib alles auf und geh damit an die Öffentlichkeit. Du hast die Wahrheit in dir.«

Seine Augen strahlten.
In den nächsten Wochen gab es viele Gespräche über »die Wahrheit«, über Tod, was danach kommt und so weiter. Inzwischen waren zwei Bilder fertig.
»Ich möchte, dass meine Bilder nach meinem Tod in der St. Michaeliskirche in Lüneburg ausgestellt werden. In meiner Wohnung hab ich noch mehr Bilder. Mein Bruder weiß davon. – Und über mich darfst du dann auch was schreiben und erzählen.«
Als ehrenamtliche Hospizbegleiterin haben Sie Schweigepflicht. Sie dürfen nach dem Tod des Menschen nichts an sich nehmen.
In diesem Fall war es ein letzter Wunsch, sein Bruder war einverstanden, der Hospizverein auch – eine Ausnahme. Später übergab mir der Bruder zehn Bilder mit der Bitte, den letzten Wunsch von Hans-Werner Ulrichs zu erfüllen.

Am Vormittag des 10. Oktober 2008 ist Hans-Werner Ulrichs
sehr unruhig, wirkt leicht verwirrt. Er versucht ständig aufzustehen, wozu er aber eigentlich keine Kraft mehr hat.
Große Augen. Angst.
Als Begleiterin sitzen Sie daneben und spüren die Ohnmacht. Sie können nichts tun – nur da sein. Ich denke über unsere vielen Gespräche nach und sage dann:
»Wenn Du gehen willst, kannst Du Deinen Körper nicht mit-
nehmen, lass ihn los, lass Deine Seele frei. Wenn Du das Licht
siehst, bist Du angekommen.«
Sofort legt sich seine Unruhe, der Atem wird wieder gleichmäßiger. Ich sitze noch eine Weile bei ihm am Bett.
Stille.
»Und ich weiß, wir kennen uns schon ewig – Du weißt.«
höre ich ihn sagen.
Am Abend geht Hans-Werner Ulrichs ganz friedlich auf »die andere Seite des Schleiers«, so hatte er den Tod umschrieben.
Hans-Werner Ulrichs sagte über sein Bild »Engel Gottes«:

»Ich habe mich selbst gemalt,
ich werde zu einem Engel Gottes.«


Vom 19. März bis Karfreitag, 2. April 2010 waren die zehn Bilder von Hans-Werner Ulrichs in der Taufkapelle der St. Michaeliskirche in Lüneburg zu sehen. Die Vernissage dazu – Gedichtelesung mit Begleitung des Komponisten und Pianisten Florian Fiechtner – fand am 19. März 2010 statt, dem ersten Tag der Ausstellung.
'Der Wahrheit auf der Spur - Gedichte zwischen Leben und Tod' - Gesa Dröge
Gryphon Verlag. September 2010. S. 152 ff.


Hamburger Abendblatt - Kunst zwischen Leben und Tod - 19. März 2010
Lüneburger Landeszeitung - Vernissage, Lesung und Musik - 19. März 2010



Eines der zehn Bilder von Hans-Werner Ulrichs
'Der Wahrheit auf der Spur - Gedichte zwischen Leben und Tod' - Gesa Dröge
Gryphon Verlag. September 2010. Seite 103.

 


Bild: 
»Engel Gottes«
Hans-Werner Ulrichs


Gesa Dröge - 'Der Wahrheit auf der Spur - Gedichte zwischen Leben und Tod'
Gryphon Verlag - September 2010

Lesungen
Leseprobe
Illustrationen: Hans Werner-Ulrichs
 
Weitere Infos zum Buch


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